30/11/2020

Tabbert „Willi“ Puccini 560 E

Unser Luigi ist verkauft. Bei dem momentanen Hype um das Camping, insbesondere bei Wohnmobilen, war es überhaupt keine Schwierigkeit den Pössl zu verkaufen. Nach dem Einstellen des Inserats bei mobile dauerte es circa eine Stunde bis wir die erste Email bekamen. Für ein nettes Pärchen hatten wir genau das richtige Angebot, sodass wir Luigi in gute Hände weitergeben konnten. Und nun?

Ein Wohnwagen sollte wieder her. Aber wie bei den Wohnmobilen ist der Markt bei Wohnwagen ebenso überhitzt. Als erstes haben wir alle gängigen Portale gecheckt. Dort wurden viele alte Wohnwagen für hohe Summen oder Neuere für horrendes Geld angeboten. Um das Angebot weiter einzugrenzen, trugen wir unsere Ausstattungswünsche zusammen.

Einzelbetten mit Rollrost

Der Neue sollte Einzelbetten mit zusätzlichem Rollrost haben. Damit vielen die meisten Wohnwagen aus der Beobachtung.

bequeme Rundsitzecke

Dazu soll gegenüber eine umbaubare Rundsitzgruppe vorhanden sein. Ein einstelliges Lebensalter und eine Zuladung von 300 KG sind zusätzlich gewünschte Eigenschaften. Ein Vorzelt ist uns relativ egal. Erstmal testen wir das DWT Maxum2, welches eigentlich für Luigi vorgesehen war. Ansonsten gibt es beim großen O in den Niederlanden leichte Vorzelte für wenig Geld.

Drei Anhänger zogen wir in die engere Wahl. Einen Fendt, einen Wilk und einen LMC. Am Ende mochte uns keiner richtig überzeugen. Am ehesten noch der LMC Musica. Doch nach einer überschlafenen Nacht verschwand leider auch dort der Kaufwille. Also nochmal die Portale rauf und runter.

Unser neuer Tabbert Puccini 560E

Jetzt fiel mir der Tabbert Puccini 560 E auf, welchen ich vorher sofort ausgeschlossen hatte. Ich zeigte das Inserat meiner Frau. Sie war sofort begeistert. Der Wohnwagen ist 7 Jahre alt – passt. Einzelbetten, Rollrost und Rundsitzgruppe sind vorhanden – passt auch. Nach Studium der alten Verkaufsprospekte mit der vorhandene Ausstattung ergab sich eine ungefähre Zuladung von 300 Kilo – super. Wo steht das Ding überhaupt? Na klasse. Er steht im Schwarzwald. Circa 800 Kilometer von uns entfernt. Eine schnelle Besichtigung scheidet also aus.

Nach der Kontaktaufnahme über mobile meldete sich ein netter Herr mit leichtem süddeutschen Akzent. Wir telefonierten eine Zeit lang miteinander. Die Details des Wohnwagen waren allesamt so, wie in der Anzeige beschrieben. Die Geschichte, wie er in die Hände des Verkäufers gelangte, jedoch ein wenig „besonders“. Aber jede Frage die ich stellte, wurde unverzüglich und zu meiner Zufriedenheit beantwortet. Bilder, die ich angefragt hatte, wurden uns sofort zugesendet. Die weitere Kommunikation lief über WhatsApp oder Telefon.

Dellen auf dem Dach

Nachteile gab es natürlich auch bei diesem Wohnwagen. Die Reifen sind schon 9 Jahre alt. Somit darf man zur Zeit nur 80 Km/H damit fahren. Dazu hat er ein paar Dellen von Tannenzapfen auf dem Dach. Für die Erneuerung der Reifen ließ der Verkäufer freiwillig € 150,- vom Kaufpreis ab. Den Dachschaden müssen wir so hinnehmen. Am Ende handelten wir einen für beide Seiten guten Preis aus. Nur kaufen wollte ich den Tabbert nicht ungesehen.

Da der Verkäufer auf dem Campingplatz Münstertal arbeitet, bot er uns an, das wir uns den Wohnwagen auf dem Campingplatz ansehen können. Dabei fiel auf, daß der Tabbert gar nicht zugelassen war und wir Ihn auch danach nicht mit nach Hause ziehen dürfen. Ich schlug vor, mir bei positiver Prüfung ein 5-Tages-Kennzeichen Vorort zu besorgen. Dank Corona bekommt man dieses Schild nur mit einem 14 Tage vorher online reservierten Termin. Diesen Termin bekam ich jedoch erst für den Donnerstag nach der Besichtigung. Dafür organisierte uns der Verkäufer einen Stellplatz auf dem Campingplatz, obwohl dieser eigentlich ausgebucht war. Wenn wir ihn denn kaufen, können wir auch bleiben.

Am Sonntag früh um 4 Uhr fuhren wir los mit dem Ziel Münstertal. Ab 11.30 Uhr sollte uns der Wohnwagen zur Verfügung stehen. Nach 6 Stunden standen wir genau um 10 Uhr schon auf dem Parkplatz vorm Campingplatz. An diesem Vormittag war aber Hochbetrieb auf dem Platz. 100 An- bzw. Abreisen waren zu bewältigen. Die meisten davon ließen Ihre Wohnwagen vom Personal von und zu dem Platz ziehen. Wir bekamen zwischendurch den Schlüssel in die Hand gedrückt. So konnten wir in Ruhe vor dem Tabbert frühstücken und mit der Besichtigung beginnen.

Tabbert Logo und Puccini Schriftzug

Schnell wurde uns klar, daß der Zustand des Puccini wirklich gut ist. Die Ausstattung des Wagens ist toll. Um zu checken ob der Wohnwagen in Ordnung ist, haben wir versucht, alle Punkte auf einem Musterprotokoll zu testen. Nach 2 Stunden Prüfung ging der Daumen nach oben. Der Tabbert Puccini geht in unseren Besitz über. Wenn der Wohnwagen schlecht gewesen wäre, hätten wir uns ein paar Tage in ein Hotel eingebucht. Leider ist uns im Nachhinein noch aufgefallen, daß die Gasschläuche und Druckminderer aus dem Jahre 2006 sind und vor der letzten Gasprüfung hätten ausgetauscht werden müssen. Des weiteren funktioniert der Bewegungssensor an der Aussenleuchte nicht. Irgendetwas übersieht man glaube ich immer.

Beim Blick in die Papiere sahen wir, daß der erste Besitzer mit zweitem Namen Willi hieß. Und weil die Nähe zu unserem Familiennamen nicht zu groß ist, war der Name schnell gefunden. Die Taufe von Willi feierten wir zusammen mit dem Verkäufer bei einer schönen Flasche Wein.

Am Donnerstag haben wir einen Termin beim Landratsamt Titisee reserviert, um ein 5-Tages-Kennzeichen für die Heimreise zu bekommen. Um 10.30 Uhr erreichten wir das Amt. Die Eingangstür wurde von zwei Security-Mitarbeitern bewacht. Ein bißchen gequatsche verkürzte uns die Zeit. Auf die Minute genau wurden wir aufgerufen. Nach einer Viertelstunde war die ganze Zeremonie erledigt. Für einen Stadtbummel blieb uns leider keine Zeit mehr. Wir fuhren zurück zum Campingplatz, montierten das Schild und fuhren los.

Der Wohnwagen fährt gut hinterher. Er schaukelt sich nicht auf oder pendelt stark. Stück für Stück verloren wir die Angst vor den alten Reifen. Die 90 Km/H machten sie anstandslos mit. Beim Überholen waren auch schon mal 110 Km/H drin. Offiziell hat er ja eine 100er Zulassung. Ein kleines Problem entdeckten wir bei unserer ersten Pause. Die Tür vor dem Kühlschrank öffnet sich während der Fahrt und der Türgriff löste sich vom 4-Kant. Als Lösung umwickelt ich den Verriegelungsstift der Tür ein paar Mal mit Isolierband und verlängerte ihn dadurch ein wenig. Das hält die Tür dicht. Der Türgriff verschwand erstmal in der Besteckschublade.

Bei unserer Zwischenübernachtung in Walkenried konnten wir im Dunkeln testen, wie gut der Mover funktioniert und wie schnell der Wohnwagen sich aufstellen lässt. Nach einer halben Stunde konnten wir schlafen gehen. Nach jetzt 5 Übernachtungen und fast 600 Kilometern Strecke gefällt uns der Wagen immer besser. Wir fühlen uns darin sehr wohl. Auch die letzte Etappe nach Hause verlief ohne Probleme.

DuoControl CS mit Gasfilter

Die alten Gasschläuche habe ich zu Hause gegen eine neue Truma DuoControl CS mit Fernanzeige und EisEx ausgetauscht. Bei Ebxx Kleinanzeigen versuchte jemand ein nagelneues Komplettset zu verkaufen. Da ließ ich mich nicht lange bitten und kaufte es zu einem guten Preis.

Obwohl ich es zum ersten Mal versucht habe, klappte die Montage sehr gut. Nach dem Abbau des alten Druckminderer habe ich als erstes das Gasrohr mittels eines Rohrschneiders gekürzt. Um es noch in die richtige Position zu bringen, stülpte ich eine Biegefeder über das Rohr, damit ich es ohne Knicke biegen konnte. In der Mitte des Gaskastens verläuft eine Abdeckung für einen Heizungsschlauch. Um diesen zu umgehen, fertigte ich noch eine Abstandsplatte aus Holz. Sonst hätten der rechte Gasfilter keinen Platz gehabt. Als letztes schraubte ich die neuen Hochdruckschläuche mit Sicherheitsventil an. Damit dürfen wir auch während der Fahrt die Gasanlage zum Heizen und Kühlen benutzen. Nach Ende der Arbeiten kontrollierte ich alles mit Seifenwasser auf Dichtigkeit.

Fernanzeige im Schrank

Für die Fernanzeige führt das Kabel unterm Fahrzeugboden entlang bis zur Heizung. Dort nutzte ich einen vorhandenen Durchgang, um in den Innenraum zu kommen. Der Anzeiger mit Schalter fand seinen Platz im Schrank neben dem für die Therme. Nach dem Anschluss der Kabel und dem Beheben eines Masseproblems an einer Lüsterklemme funktioniert alles wunderbar.

Für die Reifen beauftragte ich meine Werkstatt, damit gleichzeitig auch die Bremsen kontrolliert und nachgestellt werden. Gleichzeitig haben sie mit einem Lecksuchgerät nochmal den Gaskasten gecheckt – sicher ist sicher. Jetzt ist Willi reisefertig.

Ein nächstes Projekt wartet aber schon. Um die Leistung des Kühlschranks bei warmen Wetter zu erhöhen, werde ich noch einen Lüfter einbauen, der die warme Luft aus dem Schacht pustet.

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