09/12/2022

Yamaha Tracer 9 GT

Mein erster Fahrbericht 2022 handelt von der Yamaha Tracer 9 GT. Sie ist der Nachfolger der Tracer 900 GT und ist seit 2021 im Angebot von Yamaha.

der CP3-Motor der Tracer 9

Die Yamaha Tracer 9 gehört zu den Sporttourern und ist ein Ableger der sehr erfolgreichen MT 09 aus gleichem Hause. Herzstück der Serie ist der neue CP3 Motor mit 3 Zylindern und einem Hubraum von 890 ccm. Nach der Auffrischung erfüllt er die aktuelle Euro5 Norm. Seine Spitzenleistung erhöhte sich leicht auf 119 PS. Viel entscheidender ist die Anhebung des Drehmoments auf 93 NM, bei niedrigerer Drehzahl. Damit fährt sich dieses Motorrad souveräner als sein Vorgänger.

Hinzu gekommen ist auch ein umfangreiches Elektronik-Paket. Die Tracer 9 besitzt schon in der Serienausstattung eine 6-Achsen IMU mit schräglagenabhängigen Assistenzsystemen, wie ABS und Traktionskontrolle. Eine Slide- und eine Wheeliecontrol ist ebenfalls an Bord. Mit von der Partie ist auch die LED-Beleuchtung sowie ein Tempomat. Die ab Werk verbaute Griffheizung ist in 10 Stufen einzustellen. Als Cockpit dienen zwei 3,5 Zoll große TFT-Displays.

Die GT mit vollem Tourenpaket

Mein Modell ist die GT-Version, mit zusätzlichen Features für die große Tour. Das beinhaltet zwei Seitenkoffer, die jeweils einen Integralhelm aufnehmen können. Schöner Weise benötigt man dafür kein hässliches Trägersystem. Ein elektronisches Fahrwerk, bei dem man zwischen Sport und Touring wählen darf. Die 6 Gänge können bei der Yamaha Tracer 9 GT ohne Einsatz der Kupplung gewechselt werden, da sie einen Quickshifter für das Hoch- und Runterschalten verbaut hat. Auch diesen kann man über das Bordmenü seinen Vorlieben anpassen. Sollte man, ob dieser vielen Komforthilfen, mal wieder länger im Sattel bleiben wollen, unterstützt ein LED-Kurvenlicht die Fahrt bei Dunkelheit.

Die Yamaha Tracer 9 GT ist ein so genanntes Crossover Bike. Darin vereint sich die aufrechte Sitzposition von Enduros mit der sportlichen Fahrwerksgeometrie von Straßenmotorrädern. Das erste Modell dieser Art stammte auch von Yamaha. Es war die TDM 850. Die und ihr Nachfolger, die TDM 900, waren für einige Zeit meine Begleiter. Besonders die 900er habe ich in 5 Jahren sehr schätzen gelernt. Aus dieser Erinnerung heraus, kam bei mir das Interesse für die Tracer 9 GT auf. Nach dem Lesen von unzähligen Test und Erfahrungsberichten und weiteren unzähligen Videos auf YouTube, kam ein zartes Habenwollen in mir auf.

Das Angebot an sofort verfügbaren Modellen hielt sich Anfang 2022 in Grenzen. Gebraucht wurde mir ein rotes Modell in den einschlägigen Börsen angezeigt. Sie hatte erst 1000 Kilometer gelaufen. Schnell wurde mir klar, das der Aufpreis zu einer Nagelneuen nicht groß sein würde. Der Yamaha Dealer Marcos Bike Shop in Bremerhaven hatte eine rote Tracer 9 GT im Ausstellungsraum stehen.

Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg, um mir das gute Stück im Original anzusehen. Auf den ersten Blick sah sie in ihrem roten Dress noch schöner aus. Mir fällt auf, das überhaupt kein Schalldämpfer die Schwinge verdeckt. Der Auspuff endet schon unterm Motorrad. Das gefällt mir sehr gut. Die erste Sitzprobe passt sofort. Der Lenker hatte auch automatisch die richtige Position. Der Kniewinkel fällt entspannt aus. Kleine Korrekturen sind sowohl an Lenker, Sitzbank und auch den Fußrasten möglich. Der Verkäufer nahm sich viel Zeit, um mir das ganze Motorrad inklusive der elektronischen Einstellungen zu erklären. Von Anfang an fühlte ich mich gut mit der Yamaha Tracer 9 GT. Auf die Frage, wann die nächste Maschine geliefert werde, bekam ich September als Auskunft. Das waren noch sieben Monate. Der Verkäufer schaute etwas überrascht, als ich ihm sagte, er solle den Vertrag über die Maschine im Ausstellungsraum fertig machen. So kam ich nach über 30-jähriger Motorradkarriere zu meinem ersten neuen Motorrad.

Abholung der Tracer 9 GT

Anfang März habe ich die Yamaha Tracer 9 GT dann abgeholt. Am Tag der Abholung wurde noch ein Rückruf, die Lenkerenden betreffend, ausgeführt. Als Extra habe ich noch, für meinen Tankrucksack, einen Tankring von Givi montieren lassen. Bei der Übergabe wurde mir das Motorrad nochmal so ausführlich wie bei der Besichtigung erklärt. Ein besonderer Dank geht nochmal an Marcos Bike Shop. Der Service ist 1a. Dann ging’s endlich los.

Das Anfahren ist erstmal ungewohnt. Die Kupplung ist derart leichtgängig, das ein Druckpunkt nicht gut zu spüren ist. Leider ist der Hebel nicht in der Entfernung einzustellen. Entweder gewöhne ich mich daran oder ich schaue irgendwann nach einem Zubehörteil. Der Bremshebel ist aber einstellbar.

an der rechten Seite ist alles übersichtlich

Da es noch ziemlich kühl am Abholtag ist, versuche ich, die Griffheizung zu aktivieren. Das kleine Rädchen an der rechten Lenkerarmatur ist ein wenig fummelig. Es mit den Handschuhen wunschgemäß zu bedienen, braucht viel Gewöhnung. Nach ein paar Versuchen strömt wohlige Wärme in die Hände. Höher als Stufe 6 habe ich das Teil noch nicht eingestellt. Auf höchster Stufe werden wahrscheinlich meine Handflächen kross. Die Anzeige für die Griffheizung ist zwar relativ klein geraten, aber ich finde es bis jetzt ausreichend.

2 x 3,5 Zoll TFT-Monitore

Da bin ich dann beim meist diskutierten Detail der Yamaha Tracer 9. Dem Cockpit. Es besteht aus zwei 3,5 Zoll großen TFT-Displays. Die Optik ist durch die Teilung besonders. Wobei Motorräder schon lange getrennte Instrumente hatten. Der Trend geht aber eher zu riesigen Tablets am Lenker. An der Ablesbarkeit habe ich noch nichts zu kritteln. Bisher konnte ich, auch Dank neuer Brille, alles gut erkennen. Ob starke Sonneneinstrahlung die Sicht behindert, werde ich wohl erst nach dem Sommer abschließend beurteilen können. Eine Verbindung zu meinem Smartphone ist noch nicht möglich. Wenn auf einem Bildschirm die Navigation angezeigt werden könnte, wäre noch ein super Gimmick.

So ist das geteilte Display für mich von großem Vorteil. Da ich mein Smartphone zur Navigation gerne in der Lenkermitte montiere, sind die Bildschirme rechts und links davon sehr übersichtlich platziert. Besonders gut finde ich die vier frei wählbaren Felder der rechten Anzeige. Zur Zeit informieren mich diese während der Fahrt über die gefahrenen Kilometer, den Durchschnittsverbrauch, die Außentemperatur und die Motortemperatur.

Alle sonstigen Einstellungen werde ich wohl entweder im Stand vorwählen oder sie sogar einmalig einstellen und nicht wieder verändern. Dazu gibt es ein Setup-Menü. Leider ist dieses nur auf Englisch verfügbar. Da ich mich aber mit den Funktionen auseinander setzen muss, ist die Sprache das kleinste Hindernis. In der Auswahl stehen Einstellungen zu allen Fahrhilfen, wie Quickshifter, ABS, Traktionskontrolle usw. Bis ich alles durch probiert und erfahren habe, neigt sich die erste Saison sicher dem Ende entgegen. Falls ich mal etwas völlig verstellt habe, gibt’s zum Glück eine Resetfunktion. Dann steht alles wieder auf Anfang.

Knopfsalat an der linken Schaltereinheit

Was ich aber schon mal während der Fahrt verändern werde, sind die vier Fahrmodi, das semiaktive Fahrwerk und die Traktionskontrolle. Diese Einstellungen werden über zwei Schalter der linken Armatur verstellt. Der Modeschalter wechselt die Funktion und der Kippschalter die Option. Das ist einfach. Die Yamaha Tracer 9 verfügt über 4 Fahrmodi. Stufe 4 ist in der Leistung begrenzt und heißt bei anderen Anbietern Regenmodus. Die drei Anderen unterscheiden sich in der Bereitstellung der Leistung. Stufe eins ist dabei die Giftigste. Bisher bevorzuge ich bei allen drei Funktionen die Stufe zwei. Beim Fahrwerk ist es die softe Einstellung. Bei der Traktionskontrolle ist die Schräglagenabhängigkeit aktiv. Die Wheeliecontrol und Slidecontrol sind ebenfalls eingeschaltet.

Zuletzt gibt es an der linken Schaltereinheit neben Blinker, Licht und Hupe noch eine Gruppe für den Tempomat. Es funktioniert genauso wie beim Auto. Bei den ersten Versuchen habe ich aus Versehen ein paar Mal das Fernlicht angeschaltet, anstatt die Geschwindigkeitsregelung. Das wird mit jedem Versuch besser.

Nach mittlerweile knapp 600 Kilometern wage ich schon mal ein erstes Fazit. Der neue CP3-Motor der Yamaha Tracer 9 GT ist eine Wucht. Obwohl ich ihn noch nicht einmal ausgefahren habe, reicht mir die angebotene Leistung völlig aus. Sicher wird er im letzten Drittel noch ordentlich ein paar Briketts zulegen. Bei der sehr aktiven Wegelagerei unseres Landkreises, wird eine Ausnutzung des vollen Spektrums vermutlich sehr kostenintensiv. Der Einsatz des Tempomaten beugt da sehr gut vor. Die Sicherheitsausstattung funktioniert bisher fast unauffällig. Nur beim Kurvenfahren mit eingeschaltetem Tempomaten wird automatisch die Leistung ein wenig herunter geregelt. Das Tat eigentlich nicht nötig.

Sehr gut dosierbare Bremsen

Die Bremsen greifen ordentlich zu und sind gut dosierbar. Es gab aber noch keine brenzligen Situationen. Demnächst werde ich noch ein paar Notbremsungen üben. Im Mai steht auch noch ein Kurventraining auf dem Plan.

Ein paar kleine Dinge finde ich ebenfalls noch erwähnenswert. Die Scheibe der Tracer 9 lässt sich mit einer Hand verstellen. Das funktioniert ruckzuck auch während der Fahrt . Unter dem Soziussitzkissen ist Platz für ein Verbandskissen, eine kleine Dose Kettenspray, das Fahrerhandbuch, eine Rettungsweste sowie das kleine Bordwerkzeug. Eine Bordsteckdose ist am Cockpit verbaut. Die Zuladung hat sich auf knapp 200 Kilogramm erhöht. Der Verbrauch liegt im Moment bei preisfreundlichen 4,7 Litern auf 100 Kilometern. Das 18 Liter Tankvolumen reicht dann für etwas mehr als 300 Kilometer ohne zu Tanken.

Die Yamaha Tracer 9 GT in Fedderwardersiel

Auf der längsten Tagestour von 250 Kilometern, war der gesamte Komfort sehr gut. Ich konnte nichts bemängeln. Alles funktionierte, wie es soll. Yamaha ruft trotzdem alle MT09 und Tracer 9 wegen eines Software-Updates in die Werkstätten zurück. Selber hatte ich keine Auffälligkeiten. Den Rückruf führte mein Yamaha Händler in Bremerhaven nebenbei, ohne vorherige Anmeldung durch.

Die Tracer 9 klingt wirklich betörend. Leider ist das Standgeräusch mit 96 db nicht Tirol freundlich. Mehrere Lösungen bieten sich hierfür an. Für sündhafte 1.500,-€ bietet Akrapovic eine Auspuffanlage mit 94db an. Optisch passt die Anlage für mich so gar nicht. Als zweite Lösung gibt es eine Gaswegsbegrenzung mit Gutachten auf 95 db. Die Kosten sollen sich auf circa 250,- € belaufen. Ich habe aber auch schon von einer einfachen Kontrollmessung bei der Dekra gehört. Wie verlässlich die Information ist, weiß ich nicht. Oder man meidet einfach die paar Straßen.

Der Wohlfühlfaktor auf der Yamaha Tracer 9 GT ist nach knapp 600 Kilometern schon sehr hoch. Ich sehe mich schon, mit voller Vorfreude, in der nächsten Zeit längere Reisen mit diesem tollen Motorrad zu unternehmen. Hoffentlich wird meine Yamaha MT 01 nicht allzu zickig wegen der neuen Konkurrenz im Stall.

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