KTM Duke 690 – Ready to Race – Update

Der Slogan von KTM lautet Ready to Race. Lange Zeit war für mich der Hersteller aus Mattighofen nur etwas für Heizer. Die Maschinen waren mir zu extrem und zu unvernünftig. Ich wollte keine Wettbewerbe gewinnen, sondern reisen.

2013 ist mir während unseres Urlaubs am Milstädter See in Österreich ein Biker begegnet, der sich allein mit Wohnmobil und Motorrad auf Reise befand. Er hatte einen Stellplatz auf dem gleichen Campingplatz. Nach dem Frühstück ging er mit seiner Triumph Tiger auf Tour, von der er am Nachmittag zurückkehrte. Nach 3 Tagen zog er weiter nach Süd-Tirol. Seither probiere ich auch verschiedene Reisemöglichkeiten aus. Mit dem Transporter nach Österreich und in den Schwarzwald oder auf eigenen Rädern in die Dolomiten.

Nun möchte ich den nächsten Versuch starten. Mit Luigi und Motorrad in die Alpen. Die Yamaha MT 01 mußte Platz machen für ein wohnmobiltaugliches Motorrad. Sie ist mit ihren 270 KG einfach zu schwer für einen Motorradheckträger. Mit Anhänger möchte ich wegen der Eintönigkeit auf den 1000 KM Anreise allein nicht fahren.

Also ein Motorrad suchen, welches mindestens 40 PS hat, nicht älter als 5 Jahre ist und bequem, handlich und vor allem nicht mehr als 160 KG wiegt. Automatisch landete ich beim Einzylinder und bei Husqvarna oder KTM. Bei den Supermotos SMC-R oder 701 bin ich dann wieder bei den Wettbewerbsfahrzeugen angekommen.

Da blieb noch die KTM Duke 690. Der größte Vorzug der neusten Generation ist der neue 693 ccm LC4 Motor, der durch eine Ausgleichswelle ruhig gestellt wird.

Ab 4000 U/min ist der Motorlauf vergleichbar mit einem 2-Zylinder, ohne dabei die Spritzigkeit des Einzylinders zu verlieren. Alles wird Dank der Elektronik sauber auf die Straße gebracht. In der neusten Version leistet die Duke 690 73 PS bei einem Drehmoment von 74 NM. Bei dem Sondermodell „R“ sollen es sogar 75 PS sein. Die Abstimmung ist aber wohl die gleiche wie bei der normalen Ausführung. Es liegt wohl an dem Akrapovic Endschalldämpfer, der an der „R“ serienmäßig verbaut ist. An meiner Duke wurde er vom Vorbesitzer als Extra bestellt.

Bei der KTM Duke 690 wurde konsequent auf Leichtbau geachtet. So wiegt z.B. der Gitterrohrrahmen der Duke nur 9 KG. Das Trockengewicht insgesamt beträgt nur 148 KG. In Verbindung mit der entspannten Sitzposition auf dem Motorrad ergibt sich ein spielerisches Handling. Unterstützt wird die gute Sitzposition bei meinem Motorrad noch durch die Ergo-Sitzbank aus dem PowerParts-Programm von KTM. Eine weitere Neuerung ist das seit dem aktuellen Modell verbaute TFT-Farbdisplay.

KTM Duke 690 TFT-Farbdisplay

Natürlich wird darüber Geschwindigkeit, Drehzahl, Tankinhalt und Kühlwassertemperatur angezeigt. Das Besondere ist jetzt aber das Verbrauch, 2 Tageskilometeranzeigen, Tagestemperatur und vieles mehr abgerufen werden kann. Ebenfalls können die Traktionskontrolle, ABS und 3 verschiedene Fahrmodi eingestellt werden. Meine KTM hat das dafür benötigte TrackPack aufgespielt.

Und wie fährt sich der Herzog nun?

Mittlerweile habe ich mit der KTM Duke 690 gut 4.500 Kilometer gefahren. Der Fahrspaß mit diesem Motorrad ist sehr hoch. Solange man die Drehzahl über 3000 U/min hält kommt man ohne das lästige Kettenschlagen aus. Wählt man im superleicht zu schaltenden Getriebe 1 bis 2 Fahrstufen niedrieger, geht die Post ab. Ein programmierbarer Schaltblitz macht einen in zwei Stufen auf selbst gewählte Drehzallimits aufmerksam. Beim Hochschalten während starker Beschleunigung in den 5. und 6. Gang wollen die Gänge mit Nachdruck eingelegt werden. In seltenen Fällen ist sonst beim Einkuppeln kein Gang eingelegt und der Motor dreht hoch. Die KTM fällt ohne Kraftaufwand wie von selbst in die Kurven. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Wenn man nur daran denkt eine Kurve zu fahren, lenkt sie auch schon ein. Auf den ersten Fahrten habe ich mich dann auch viel zu früh in die Kurve gelegt.

Die Motorleistung von nominell 73 PS finde ich völlig ausreichend. Bei einem Gewicht vollgetankt von 160 KG entspricht das einem Leistungsgewicht eines Supersportwagens. Die KTM ist sehr kurz übersetzt. Das hat den Vorteil, das ich den zweiten Gang ganz durchbeschleunigen und in den 3. Gang schalten kann ohne die Landstaßengeschwindigkeit zu überschreiten. Bei meinem Motorrad wurde das vorderes Ritzel in eines mit 15 Zähnen gewechselt. Damit bin ich in der Lage im 4. Gang ruckelfrei mit 57 Km/h lt. Anzeige, das entspricht GPS-gemessenen 52 Km/h durch die Stadt zu fahren. Der Verbrauch der KTM liegt bei meiner Fahrweise zwischen 3,3 und 3,8 Litern auf 100 Kilometern. Die Vibrationen des Motors sind nicht störend aufgefallen.

Die Sitzposition ist tourentauglich. Der Kniewinkel ist entspannt. Beim Originallenker hing mein linker Daumen immer an dem Armaturengehäuse des Blinkers an. Nach kurzer Zeit schmerzte dann das Daumengelenk. Den Lenker habe ich gegen einen von der KTM Super Duke 1290 ausgetauscht. Die Lenkerenden sind hier weiter gekröpft. Seither geht es ohne Probleme. Der Vorbesitzer hat meiner Duke eine PowerParts Sitzbank spendiert. Um auf meinen Reisen täglich längere Fahrten über 200 KM noch besser fahren zu können, werde ich im Winter nochmal einen Sattler aufsuchen. Für meinen Popo ist die Sitzbank ein wenig zu schräg. Ich rutsche immer ein kleines Stück nach vorne. Irgendwann fängt es dann an unangenehm zu werden. Das ist mir aber auch erst jetzt in Österreich aufgefallen.

Das Fahrwerk der KTM Duke 690 ist eine Katastrophe. Selbst im normalen Straßenverkehr ist es viel zu weich und spricht schlecht an. Ein vernünftiges Kurvenfahren auf leicht welligen Straßen wird mit angsteinflößendem Wippen betraft. Vor meiner Österreich 2018 Tour habe ich in ein neues Federbein und neue Gabelfedern der Firma Wilbers investiert. Nun macht das Fahrwerk das, was es soll. Es fällt in keiner Weise auf.  Wer noch gehobenere Ansprüche hat oder auf die Rennstrecke möchte, sollte zur Duke „R“ greifen. Bei Ihr ist ein voll einstellbares Fahrwerk und giftigere Bremsen verbaut.

Die Nörgeleien über das schicke TFT-Display im Netz kann ich nicht nachvollziehen. Meines funktioniert wunderbar. Es ist bisher nicht beschlagen oder verkratzt. Das ich mal aufgrund von Sonneneinstrahlung von hinten gar nichts auf dem Display sehen konnte, ist verschwindent gering. In 99,9% aller Fahrsituationen waren alle Informationen ablesbar. Bei der Verbrauchsanzeige gebe ich immer 0,2 Liter dazu, dann passt auch die Nachtankmenge.

Kürzlich habe ich mir bei Wish für € 50,-ein paar Satteltaschen aus China bestellt. Eigentlich kommen die Taschen aus Japan und kosten dort umgerechnet 120,- €. Verstehen tue ich das ganze nicht so richtig, aber die Taschen sind angekommen und passen an die Duke. Oben drüber ist dann noch Platz für eine große Gepäcktasche. Damit werde ich mich auf jeden Fall auf eine mehrtägige Reise begeben. Dann wird sich herausstellen, ob dieses Motorrad auch komplett tourentauglich ist.

Bei den bisherigen längeren Reisen fuhr die KTM immer huckepack bei Luigi mit. Hierbei ist das geringe Gewicht wirklich von Vorteil. Denn ich bin in der Lage, die Duke alleine auf die Fiedler-Rampe zu bugsieren und auch wieder herunter. Das hat jetzt schon ein paar Male sehr gut funktioniert.

Mein neustes Update für die Duke 690 besteht aus einer Power Parts Sitzbank für das ältere Modell bis 2015. Die Bank ist etwas anders geformt. Nebenbei hat sie auch einen schöneren Bezug.

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