09/12/2022

Schwarzwald

Ein zweites Mal mache ich Station auf dem Campingplatz Münstertal im Schwarzwald. Beim ersten Besuch haben wir uns den Wohnwagen Tabbert Puccini angesehen und gekauft. Während der Corona-Zeit war es kaum möglich mit Wohnwagen zu verreisen. Darum haben wir uns nochmal für ein Wohnmobil umentschieden und den Tabbert an eine Familie mit kleinen Kindern weiter gereicht.

Ein weiterer Grund war, daß ich endlich einmal mein Motorrad mit in den Familienurlaub nehmen wollte. Bei diesem Urlaub im Schwarzwald sollte es endlich soweit sein. Für den Transport der Yamaha Tracer 9 Gt habe ich mir einen Motorradanhänger ausgeliehen. Bevor ich mir so ein Teil kaufe, probiere ich das lieber aus. Leider entwickelte sich die Situation zu Hause nicht so, wie geplant und ich fuhr plötzlich allein mit Wohnmobil und Motorrad los. Den Urlaub komplett abzusagen war uns zu teuer, da sowohl 80% des Reisepreises als auch der Anhänger zu bezahlen war.

Fertig gepackt

Rund um Freiburg sollten die Temperaturen an diesem Sonntag auf 38°C steigen. Also stand ich morgens um 1.30 Uhr auf und kochte mir einen Tee. Danach verabschiedete ich mich noch von meiner Frau und fuhr gegen 2 Uhr ab. Die Idee ging voll und ganz auf. Erst hinter Karlsruhe nahm der Verkehr zu. So stand ich erwartungsgemäß nach 800 Kilometern um 11 Uhr vor dem Campingplatz Münstertal im Schwarzwald. Der Platz war auch schon frei. So konnte ich mich sofort daran machen, das Motorrad abzuladen und mich häuslich einzurichten. Ein netter Nachbar half ohne zu fragen dabei, die Yamaha vom Anhänger zu rollen. So stand 12 Stunden nach Abfahrt das neue Urlaubsquartier fertig zur Verfügung. Tatsächlich stiegen die Temperaturen auf die vorhergesagten Höhen. Für mich war nach der langen Fahrt sowieso nicht mehr viel zu gewinnen. Also verbrachte ich den Tag mit ausruhen und vor der Sonne verstecken.

ein Kaffee in herrlicher Umgebung

Am Montag wollte ich endlich los. Vor dem Beginn der Reise hatte ich noch in 2 Facebook Gruppen nach schönen Strecken und lohnenswerten Zielen nachgefragt. Allgemeines Credo war, das alle Strecken super sind. Sobald man den Ort Münstertal in südlicher Richtung verlässt, beginnt der Kurvenspass und es geht nur noch bergauf. Der tolle Nebeneffekt ist, daß die Temperaturen auf den nächsten 16 Kilometern um bis zu 10°C sinken. Auf den Höhen des Schwarzwald betrugen sie nur 20-23°C, während im Münstertal oder Freiburg über 30° herrschten.

Der Schluchsee

Als erstes Ziel habe ich mir den Schluchsee ausgesucht. Als Norddeutscher sucht man ja immer die Nähe zum Wasser. Was könnte da besser passen, als der größte See im Schwarzwald. Der Schluchsee liegt auf einer Höhe von circa 930 Metern und ist 7,5 Kilometer lang und 1,4 Kilometer breit. Für meine Pause habe ich mir einen kleinen Parkplatz am nördlichen Ende direkt am Ufer gesucht. Hier gibt es eine kleine Stelle, wo der Segelverein die Boote zu Wasser lässt. Zum Abkühlen ließ ich meine Füße im Wasser baumeln. Zwei schweizer Harley Fahrer*innen kamen dazu. Die Frau ließ es sich nicht nehmen, ein paar Schwimmzüge im See zu machen. Dem Mann war der See zu kalt. Ich hatte leider meine Badehose im Wohnmobil vergessen. Plötzlich wurde mir wieder bewusst, wie schön es ist, mit dem Motorrad in unbekanntem Gebiet auf Entdeckungsreise zu fahren. Über die Coronazeit hatte ich das fast vergessen.

Panoramablick nahe Schauinsland

Die Tour führte weiter rund um den Feldberg über Titisee, Kirchzarten und Oberzarten. Den letzten Stopp an diesem Tag machte ich ganz in der Nähe vom Aussichtspunkt Schauinsland, am Ortsrand von Hofsgrund. Hier trank ich den letzten Kaffee aus meiner Thermoskanne und genoß das Panorama. Nach kurzem Stopp am Aussichtspunkt fuhr ich zurück ins Münstertal.

Blick auf den See Altenweiher

Am nächsten Tag wollte ich aus dem Schwarzwald über den Rhein nach Frankreich in die Vogesen fahren. Mein Campingplatz-Nachbar Rainer begleitete mich dabei. Er fährt das Vorgängermodell meiner Yamaha Tracer 9 GT. Zusammen durchquerten wir die Stadt Colmar im Elsass. Ich war beeindruckt von der schönen Altstadt mit den vielen malerischen Fachwerkhäusern. Das möchte ich mir nochmal in Ruhe ansehen und einen extra Ausflug dorthin unternehmen. Ab dem Stadtausgang führte uns mein TomTom über viele kleine und kurvige Straßen. Dabei kamen wir auch an einer Kriegsgräberstätte vorbei. Davon gibt es ein paar mehr in der Region. Sie zeugen von den Kriegen, die zwischen Frankreich und Deutschland in der Vergangenheit herrschten. Leider ist nach über 70 Jahren wieder ein Krieg in Europa ausgebrochen. Eigentlich schien das ein für alle Mal überwunden.

Zu zweit macht’s noch mehr Spaß

Am Wintersportort Le Markstein kehrten wir in ein Lokal ein. Die Bedienung machte leider keinerlei Anstalten, von uns eine Bestellung aufzunehmen. Zum Glück gab’s noch Kuchen und Kaffee per Selbstbedienung. Die Dame an der Kasse sprach plötzlich verständlich Deutsch, nachdem ich meine Bestellung mit ein paar gebrochenen Worten französisch untermalte. Die alte Rivalität ist irgendwie immer noch zu spüren. Unsere Route führte weiter über tolle Straßen nach Cernay und Neuenburg, wo wir Frankreich über den Rhein wieder verließen. Den Abend verbrachte ich zu dritt mit den Nachbarn im Restaurant des Campingplatzes. Das war ein wirklich toller Tag.

Die Schweiz ist „geschlossen“

Am nächsten Tag fuhr ich den Schwarzwald in südlicher Richtung, um an die Grenze zur Schweiz zu gelangen. Als Ziel hatte ich mir den Ort Rheinfelden ausgesucht, den es sowohl auf deutscher wie auch auf Schweizer Seite gibt. An diesem Tag blieb ich auf der deutschen Seite und schaute von der Dolivo Plattform über den Fluss, zu den Eidgenossen. Daneben stand noch dieses alte Tor, welches von dem alten Kraftwerk übrig geblieben ist. Über Schopfheim und das kleine Wiesental fuhr ich nach Badenweiler. Das war ein Tipp der Forumsmitglieder, der sich wirklich gelohnt hat.

Motorradtreff Isebähnli

Tags drauf suchte ich mir den Motorradtreff Isebähnli in der Schweiz als Ziel aus. Nach eigenen Angaben sollte es der größte regelmäßig stattfindende Treff in Europa sein. Die Fahrt dorthin hat sehr viel Spaß gemacht. Fast ausschließlich über einspurige Straßen schickte mich das TomTom. Hier musste ich besonders aufpassen, da es viele Kuppen gab, die nicht zu übersehen waren. Es war nicht klar, ob die Straße dahinter plötzlich einen scharfen Knick machte, ob Gegenverkehr auftauchte oder es einfach weiter ging. Der Gegenverkehr hielt sich in Grenzen, aber die plötzlich nach links oder rechts scharf wegknickende Fahrbahn hatte es öfter in sich und zwang mich zu harten Bremseinsätzen. Das machte mir großen Spaß. Der Motorradtreff hielt leider nicht das, was versprochen war. Obwohl ich am Donnerstag Nachmittag dort ankam, waren lediglich 5-6 Motorradfahrer vor Ort. Die Wirtin sagte auf meine Nachfrage, das an dem heutigen Tag wegen des Wetters auch nicht mehr viele kommen würden. Am Abend waren zwar Gewitter angesagt, aber geregnet hat es zu dieser Zeit nicht. Nach einer Pommes, einem Kaffee und einer Cola trat ich den Rückweg an. Die Pommes waren aber gut und reichhaltig.

Viele Storchennester auf schönen Fachwerkhäusern

Nach einem verdienten Ruhetag hatte ich am Samstag einen ganz besonderen Termin. Dazu fuhr ich 175 Kilometer östlich nach Bad Saulgau. Dort wohnt eine Cousine mit Ihrem Partner, die ich vor fast 50 Jahren das letzte Mal gesehen haben soll. Ich kann man daran leider nicht mehr erinnern. Das Zusammentreffen war von der ersten Minute an sehr vertraut und liebevoll. Irgendwie gibt es wohl eine höhere Verbindung zwischen Blutsverwandten. Wir spazierten durch die Altstadt.

Bad Saulgau ist ein Kurort, der mit seinen Nebenorten ungefähr 17.000 Einwohner hat. Er liegt zwischen der Donau und dem Bodensee. Als erstes wurden mir die vielen Storchennester auf den Dächern gezeigt. Teilweise liegen diese sogar kurz übereinander, wie in einer Etagenwohnung. Insgesamt gab es 2021 in Bad Saulgau 26 Storchennester zu bewundern. Nebenbei befinden sich die Nester auf schönen Fachwerkhäusern. Unsere Runde führte ebenfalls durch den Kurpark des Ortes. Nicht nur das die Anlage wunderschön angelegt ist.

Der Fischspa

Eine Besonderheit ist die Ansiedlung von Putzerfischen im Auslauf des Thermalbades. Wie die Fische dorthin gekommen sind, ist nicht genau bekannt. Aber am Wasserlauf sitzen nun die Menschen und halten ihre Füße ins Wasser. Die kleinen Fische fressen die alten Hautschuppen weg. Andernorts geben Menschen viel Geld für so einen Fischspa aus.

Biberbauten im Kurpark

Ebenfalls ist der Biber in dem Gelände ansässig geworden und baut fleißig seine Höhlen.

Ansammlung von Kois und Goldfischen

Zum Schluss kommen wir noch an einem Teich vorbei, wo es nur so von Kois und Goldfischen wimmelt. Einen Rundgang durch diesen Park kann ich nur empfehlen. Überall lädt es zum Verweilen ein. Am Ende essen wir noch ein Eis am Marktplatz und hoffen, daß wir nicht wieder 50 Jahre bis zur nächsten Begegnung warten müssen. Zufrieden trete ich die Rückfahrt in den Schwarzwald an.

Kloster St. Trudpert im Münstertal

Nach so einem Tag darf auch ein wenig Kultur stattfinden. Dazu radelte ich zum Kloster St. Trudpert. Die Geschichte des Klosters kann bis 600 n.Chr. zurück verfolgt werden. Heute befindet sich darin ein Schwesternorden. Für die Öffentlichkeit ist die Kirche frei zugänglich.

Kirche des Klosters

Hier setzte ich mich in eine Bank und ließ das Ganze auf mich wirken. Irgendwie haben diese Kirchen etwas magisches an sich, was die Menschen zu ihnen hinzieht. Es fasziniert mich schon ein wenig, wie solche Gemäuer mit ihren Verzierungen und Gemälden früher errichtet werden konnten.

Auf dem Rückweg vom Kloster kehrte ich zu Mittag in ein auf dem Weg liegendes Gasthaus ein. Dort traf ich auf ein älteres Pärchen vom Campingplatz. Ich gesellte mich zu ihnen. Gemeinsam hielten wir noch einen längeren Plausch mit dem Wirt des Hauses.

Kleine Pause mit Eis am Ufer des Titisee

Für das letzte Wochenende des Urlaubs bekam ich noch Besuch aus Karlsruhe. Er kannte bisher nur den Nordschwarzwald. So konnte ich meine kurz zuvor erhaltene Ortskenntnis über den Süden des Schwarzwalds sofort als Guide in die Praxis umsetzen. Eine weitere Veränderung war dann ebenfalls sofort klar. Ab sofort war ein leicht erhöhter Anspruch beim Kurvenfahren zu spüren. Meine touristische Bummelei musste eine Zeit lang pausieren.

Drachenflieger am Kandel

Ein paar schöne Touren konnten wir gemeinsam unternehmen. Unter anderem befuhren wir noch den Kandel, zum Titisee, zum Rhein und einige der schon beschriebenen Strecken.

Gemütliches Kaffeesieren mit Schwarzwälder Kirschtorte

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